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Alice im Wunderland
Es war eine recht sonderbare Gesellschaft, die sich schliesslich am Ufer versammelte: die Vögel mit zerzausten Federn, die anderen mit verklebtem Fell, und alle waren tropfnass und verdrossen. Das erste, was jeder wissen wollte, war natürlich: „Wie werden wir trocken?“ Darüber gab es eine lange Diskussion. Bald beteiligte sich Alice daran und redete mit den Tieren wie mit alten Bekannten. So hatte sie zum Beispiel eine längere Auseinandersetzung mit dem Papagei. Doch der gab auf alles nur die Antwort: „Ich bin älter als du und weiss es besser! Aber Alice liess das nicht gelten und meinte, er sollte ihr erst sagen, wie alt er sei. Doch das lehnte der Papagei gekränkt ab und damit war das Gespräch beendet. „Unter diesen Auspizien“, sagte nun der Dodo tiefsinnig, „votiere ich für eine Sistierung der Debatte und eine konsequente Korrektur der momentanen Kondition ...“ „Rede anständig!“ unterbrach ihn der kleinere Adler. „Ich verstehe kein Wort von diesem Gequassel, und du verstehst es wahrscheinlich selber nicht!“ Der kleinere Adler versuchte, ein Schmunzeln zu unterdrücken, und ein paar andere kicherten vernehmlich. „Ich wollte lediglich andeuten“, sagte der Dodo in leicht gekränktem Ton, „das einzige Mittel, um rasch trocken zu werden, ist eine konzentrische Konkurrenz – oder ein Kreislauf“, fügte er mit einem nachsichtigen Blick in die Runde hinzu. „Wie geht das?“ fragte Alice. Es interessierte sie zwar nicht besonders, aber der Dodo erwartete offensichtlich, dass nun jemand etwas sagte, und alle anderen schwiegen beharrlich. „Ja, nun –“, sagte der Dodo, „die beste Erklärung ist, man macht es.“ Zuerst steckte er so etwas wie einen Kreis als Rennstrecke ab. Dann stellte er die Anwesenden einzeln irgendwo entlang der Rundstrecke auf. Ein Startzeichen: ‚Achtung, fertig – los!’ gab es nicht, sondern jeder lief los, wann er wollte und hörte wieder auf, wenn er genug hatte. Darum wusste niemand so recht, wann der Wettlauf zu Ende war. Doch nach etwa einer halben Stunde waren alle trocken und plötzlich rief der Dodo: „Schluss!“ Pustend und atemlos drängten sich alle um ihn und wollten wissen: „Wer hat gewonnen?“ Die Antwort bedurfte längerer Überlegung und der Dodo verharrte eine ganze Weile, die Stirn in die Hand gestützt und tief in Gedanken (eine Stellung, in der häufig gelehrte Männer abgebildet werden), während die übrigen erwartungsvoll herumstanden. Schliesslich sagte er: „Alle haben gewonnen, und jeder bekommt einen Preis!“
Aus: Lewis Caroll „Alice im Wunderland“
Stufen (Hermann Hesse)
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in and're, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen, der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten! Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen! Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewohnheit sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegen senden: des Lebens Ruf an uns wird niemals enden. Wohlan den, Herz, nimm Abschied und gesunde!
ZEIT
DER TRAUM UNSERER ZEIT IST ES, die Zeit abzuschaffen, EBENSO GEHT ES VERÄNDERUNGEN. Sie sollten ohne Zeit und ohne WEGE ERREICHT WERDEN. Entwicklung erfordert Zeit. DIE ZEIT IST IMMER ZU LANG, also dauert Entwicklung immer zu lange. DER WEG IST DAS ZIEL, DAS ZIEL MÖCHTE JEDOCH ohne Weg erreicht werden. ZWISCHENRÄUME SIND ZEITVERGEUDUNG. sie lenken von dem grossen Ziel, ZEIT UND RAUM ZU ÜBERWINDEN, AB.
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